GoldenPass Express Erlebnis: Klingle ganz ungeniert an der Haustüre von Charlie Chaplin

Der Zentralschweiz Express, die wohl schönste Verlängerung der Golden Pass Linie
Im „Zentralschweiz-Express“ führt mich meine Reise von Luzern kommend, über den Brünigpass bis nach Interlaken. Der „Zentralschweiz-Express“ ist übrigens eine Verlängerung des GoldenPass-Express, bekannt als Golden-Pass-Line. Doch dazu später. Unterwegs, genau da, wo der Zug Kopf macht, steht die weltweit einzige authentische Nachbildung des Salons des Hauses in der Baker Street 221b. Du bist nicht in London bei Sherlock Holmes, nein du bist in Meiringen mitten in der Schweiz. Am Reichenbachfall wandere ich auf den Spuren von Sherlock Holmes, erahne beim 120 Meter hohen Wasserfall den Todeskampf zwischen Prof. Moriarty (the Napoleon of Crime) und Holmes und erlebe die Urgewalt und Idylle dieses magischen Ortes.

Die Zugfahrt nach Brienz dauert nicht sehr lange. Es wird nun langsam Zeit. Ich muss mich entscheiden. Fahre ich mit dem Zug entlang dem Brienzer See weiter nach Interlaken oder nutze ich als willkommene Abwechslung das Schiff. Ich entscheide mich für die zweite Variante. Übrigens, bei Reise365 com gibt es die 75 min Schifffahrt meistens gratis dazu. Im Holzschnitzer Dorf Brienz zieht – gleich am Bahnhof/ Schiffsanleger – seit 1892 wirklich eine schräge Idee die Menschen in Scharen an. Hinauf zum Brienzer Rothorn fährt noch täglich die Dampflok. Und ab und zu gibt es auf halber Strecke eine Bratwurst vom Dampflok-Grill.

Meine Entscheidung war goldrichtig.
Die Schifffahrt über den Brienzer See ist eine lohnenswerte erholsame Abwechslung. Dass ich dadurch indessen zwei Stunden länger unterwegs bin, macht der Reise sichtlich keinen Abbruch. Durch die drei majestätischen Berge Eiger, Mönch und Jungfrau zog Interlaken bereits anfangs des 19. Jh. magisch Gäste an. Darunter Felix Mendelssohn Bartholdy und wie kann es anders sein natürlich Wolfgang von Goethe.

Im Prestige Zug GoldenPass Express
Am Bahnsteig in Interlaken-Ost staune ich nicht schlecht. Übrigens auch nur ein paar Schritte vom Schiffsanleger entfernt. Hier steht der neue Prestigezug der MOB. Bestaunend schlendere ich gemütlich den Zug entlang. Der Conducteur, so wird der Schaffner in der Schweiz genannt, mahnt mich freundlich zum Einsteigen: „Wir in der Schweiz sind pünktlich, fahren pünktlich und kommen pünktlich an.“ Dias Abfahrtssignal steht schon auf „Grün“. Also schnell hinein. Während ich noch meinen reservierten Platz suche, rollte der Zug bereits los. Gebührend vom Typhon des Dampfschiffes verabschiedet, rollen wir dem Thunersee entlang. Der Dampfer ist noch täglich im Liniendienst unterwegs. Und das schon seit über 100 Jahren. Die Schweizer erhalten ihr einzigartiges Erbe originalgetreu und voll Enthusiasmus der Nachwelt. Mein Blick gleitet über die lieblichen Ufer mit den romantischen Dörfern, den prächtigen historischen Schlössern, natürlich hinauf auf die majestätische Bergnatur. Auf der einen Seite spiegeln sich die Berge in dem smaragdgrün-blauen Wasser. Auf der anderen Seite sehe ich das berühmte Dreigestirn Eiger, Mönch und Jungfrau. Links kurz vor Spiez entdecke ich einen pyramidenförmigen Berg, den Niesen! Hier wird das Schweizer Wetter gemacht. Er ist der Wetterberg des Berner Oberlands. Eine alte Bauernregel trifft meistens den Nagel auf den Kopf. „Hat der Niesen einen Degen, so gibt es Regen. Hat der Niesen einen Hut, so wird das Wetter gut“. Die fast perfekte Pyramidenform des Berges Niesen hat Künstler immer wieder zu Darstellungen animiert, so Ferdinand Hodler (1909), Paul Klee (1915) oder Cuno Amiet (1926). Aber nicht nur Künstler, sondern auch mich. Seit meiner Kindheit bin ich verliebt in diesen Berg.

Hinauf in die Berge
Jetzt verlassen wir den Thuner See. Im engen, nach dem Fluss Simme genannten Tal windet sich der Zug Kurve für Kurve einer neuen Innovation entgegen. Noch befahren wir die normale Spurbreite von 1435 mm. Bald wird aber auf nur 1000 m weitergehen.

Durch eine Innovation erfüllt sich ein langgehegter Traum
Eigentlich wollte man schon immer eine durchgehende Zugverbindung herstellen. Nachdem sich die Verlegung eines dritten Gleises zwischen Zweisimmen und Interlaken sich als zu teuer erwiesen hatte, entschied sich die MOB zu einem Drehgestell-Wechsel. Mit den jetzigen Zügen des Golden Pass Express erfüllt sich der umsteigefreie Traum. In der Umspur – Anlage kann der Zug in nur wenigen Minuten die Standard-Spurbreite wechseln. Anstatt also die Schienen zu verändern, passt sich das Drehgestell unter dem Zug einfach den neuen Gegebenheiten an. Und die Fahrt durch die herrliche Bergwelt-Natur geht in Kürze weiter. Und das ohne Aussteigen der Fahrgäste. Durch diese einzigartige Innovation geht ein lange gehegter Traum schrittweise in Erfüllung.

Schweiz GoldenPass Express Erlebnis

Gstaad, ein Ort mit zwei Gesichtern.
Ich tauche ganz in die herrliche Bergwelt vom Saanenland ein. Dabei vergesse ich, dass ich eigentlich im Zug sitze. Er hat sich „aufgelöst“? Denn ich habe das Gefühl, als ob ich in der freien Natur sitze. Plötzlich spricht mich jemand auf Französisch an. Anscheinend habe ich die Saane überquert. Der Fluss bildet die Sprachgrenze zwischen der französischen und deutschsprachigen Schweiz. In Gstaad kann ich entscheiden, ob ich aussteige, um das noble wie auch dezente Promi-Dorf kennenzulernen oder ob ich mein ungetrübtes aufregendes Zugabenteuer gleich bis nach Montreux fortsetzen werde. Gstaad ist ein Ort mit zwei Gesichtern. Noblesse und bürgerliche Traditionen vereinen sich im Ort. Hier gibt es nicht nur prominente Gäste und Bewohner. Hier gibt es auch jede Menge Käse. Auf 93 Alpen wird von Hand gute Bergmilch zu Käse. Caquelons heißen die traditionellen Käsefondue-Töpfe. Käsefreunde können in Gstaad sogar in ihnen sitzen. Und unter freiem Himmel darin die Bergnatur und selbstverständlich ein ausgezeichnetes Fondue genießen.

Genau zwischen dem Nobelort Gstaad und dem historischen Städtchen Greyerz liegt auf rund 1000 m ü. M. Château-d’Oex. Dank der guten Thermik hat sich der Ort zum Mega der Ballonfahrer entwickelt. Das ganze Jahr über kannst du die majestätische Bergwelt aus dem Korb eines Heißluftballons erleben. Jährlich in der letzten Januar-Woche vereinigt die alpine Ballon-Veranstaltung mit Weltrang etwa 90 Ballonfahrer. Ein faszinierendes Spektakel von Formen und Farben.

GoldenPass Express Erlebnis Schweiz

Der Blick hinunter zum See. Einmalig schön!
Der wohl letzte Höhepunkt meiner Reise ist die Serpentinenfahrt mitten durch die Weinberge bis hinunter an den Lac Leman. Wirklich viel zu schön, äh zu kurz, um wahr zu sein. Zwischen Berge, See und den vielen Weingütern wirkt die Montreux Riviera wie ein authentisches Stückchen Paradies. Viele zahlreiche Künstler, Schriftsteller und Reisende verführt die Region zur puren Inspiration.

Jetzt bin ich in Montreux
Viele mondäne Gebäude und natürlich die prestigereiche Dampfschiffsflotte aus der Belle Époque Zeit vermitteln mir in Montreux das Gefühl eine Zeitreise gemacht zu haben. Sobald ich vom Bahnhof zum See gehe, werde ich gleich verstehen, warum Montreux auch die „Perle des Lac Lemans“ genannt wird. Blumen, so weit mein Auge reicht. Die Sonne schimmert im Wasser, mein Blick wird reflektiert von den Bergen. Ich flaniere entlang des Genfer See, steige beim Schlossherren von Chillon ab und klingele ganz ungeniert an der Haustüre von Charlie Chaplin. Es ist zweifellos kein Zufall, dass Charlie Chaplin die letzten 25 Jahre seines außergewöhnlichen Lebens hier verbracht hat. Auch der Sänger der Rockgruppe Queen, Freddie Mercury, hat sich in diese Region verliebt.

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